Ein Mädchen lernt auf einer Trommel den Takt der türkischen Nationalhymne. Jahre später steht ihre Mutter vor der Tür und zieht sie an der Hand zurück nach Deutschland. Noch einmal Jahre später wird sie verlassen von einem Mann, den sie »Niemand« nennt, die Sehnsucht nach Niemand wird sie nicht mehr los. Alles, nur nicht zynisch werden.
In
Hauptsache kein Zeitgeist
breitet sich in aufregenden 24 Stunden die Gegenwart vor uns aus wie ein gewebter Teppich. Die Heldin des Romans ist eine Kosmopolitin und eine Migrantin. Sie übt sich in Affirmation und Meditation, bildet sich autodidaktisch in Sozialphilosophie und rollt auf einer Konferenz die Augen über die tristen Tropen der Wissenschaftler. Reist nach Triest und lernt John kennen, reist in die Vergangenheit und lernt sich selbst kennen. Will nicht modern sein und ist es doch.
»HAYAT ERDOGAN ERZÄHLT EINDRINGLICH UND WORTGEWALTIG VON HEIMAT UND FREMDHEIT, VON IDENTITÄT UND VERLUST.«
BARBARA BLEISCH
Während die Erde am 6. Februar 2023 in der türkisch-syrischen Grenzregion bebt, gerät auch das Leben der Erzählerin ins Wanken. Draußen zittert die Welt und sie durchlebt einen inneren Ausnahmezustand, der Vergangenheit, Privates und Politisches, Schmerz und Schönheit miteinander verwebt.
In einer zärtlichen Trauer-Odyssee gräbt sie sich durch Erinnerungen. Die Kindheit in der Türkei, mythologische Reisen, Liebeserklärungen auf Bergen und Figuren, die so schräg wie faszinierend sind: der Experimentalfilmer Werner, die Literaturkritikerin Elisabetta mit ihren Klavierabenden, die Ziege der Nene und ein Mann namens Niemand, der mit ihr Sonnenuntergänge am Meer teilt.
»Eine Kaskade von Ideen, Gedanken, seltsamen Worten, schönen Bildern, es ist wie im Kopf eines Fremden zu sein, und es lohnt sich herauszufinden, ob es ein Freund wird.«
SYBILLE BERG