Eine Erzählung aus der Zeit der systematischen Verfolgung und Ausmerzung der Juden im Dritten Reich. Ort der Handlung: eine Metzgerei, von der zuständigen Parteidienststelle dazu ausersehen, einmal in der Woche, am Freitagabend (dem Vorabend des Sabbat), Fleisch und Wurst an die Juden der ganzen Stadt auszugeben - gemäß den doppelt reduzierten Rationen auf den besonders gekennzeichneten jüdischen Lebensmittelkarten. Es handelt sich also um jene Frist erzwungener und aufs äußerste eingeengter Getto-Existenz, die der Ausrottung vorausging. Das unbestechliche Zeugnis der Metzgerfrau schafft in der dichterischen Prosa gleichsam einen fesselnden Originalbericht von dokumentarischem Wert. Die Metzgerin ist in all ihrer Furcht und Schwäche ein barmherziger Mensch. Und da sie nichts Wirksames zu tun vermag gegen das letzte Unheil, schickt sie sich in einer Bombennacht zur stellvertretenden Selbstopferung an, zum Brandopfer. Durch sonderbare Umstände wird sie von einem Juden gerettet - weil ihm der Eingang in den Luftschutzbunker verwehrt worden war.
Die Metzgersfrau Margarete Walker wird, nachdem ihr Mann eingezogen worden
ist, von den Nationalsozialisten >>zu einer besonderen Aufgabe ausersehen<<:
Man macht sie zur >>Judenmetzig<<. Die Juden der süddeutschen Kleinstadt
dürfen ihre Fleischzuteilung nur noch bei ihr einkaufen. Dazu hat sie Freitagnachmittag
zwischen fünf und sieben Uhr für die >>nicht arische Bevölkerung<< den
Laden offen zuhalten. Sie versteht bald, was diese zeitliche Einschränkung
für die Betroffenen bedeutet und bemüht sich zu helfen. Dabei erfährt sie
von der Verzweiflung und Angst der Gedemütigten und droht selbst an ihrer
Hilflosigkeit zu verzweifeln. Als der Metzgerladen in einer Bombennacht
Feuer fängt, beschließt Frau Walker, sich als Opfer darzubringen. Doch
ein jüdischer Kunde, dem der Einlass in den Luftschutzbunker verwehrt worden
ist, rettet sie im letzten Augenblick. In ihrem Gesicht bleibt allerdings
ein Brandmal zurück, das als >>Zeichen der Liebe, jener Liebe, welche die
Welt erhält<<, gedeutet wird.